„Ein Herzensanliegen…“
Holocaust-Überlebende aus Israel in Wien.

Im Gedenkjahr 2018 setzt sich Österreich mit den dunkelsten Stunden seiner Geschichte auseinander. Die Ereignisse der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gehören zu den beschämendsten unserer Geschichte.Tausende Synagogen, Betstuben und andere Versammlungsräume, sowie jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe wurden zerstört. Heute wurde dieser Nacht gemeinsam mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka den Opfern der Shoa gedacht – darunter ganz besondere Gäste, die auf Einladung von Sebastian Kurz aus Israel nach Wien gekommen sind: 80 österreichischen Holocaust-Überlebende.

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Sebastian Kurz erzählte heute in seiner Rede, wie die Einladung zustande gekommen ist: „Ich durfte dann als Staatssekretär, als Außenminister und zuletzt auch als Bundeskanzler neben den Gesprächen mit den Überlebenden in Österreich noch Gespräche mit Österreichern führen, die den Holocaust überlebt haben, das Land verlassen mussten und heute in Israel eine neue Heimat gefunden haben. Ich war zu Gast im Österreichischen Klub in Israel. Ein Ort, der alles andere als prunkvoll ist, der nicht den Charme eines Wiener Kaffeehauses hat, mit Plastiktellern und Plastikbesteck. Die Ausstattung sehr sporadisch und einfach und trotzdem ist dieser Ort für die Menschen, die sich dort treffen nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern es ist für viele ein Stück Österreich. Manche haben mir gesagt, es ist fast wie die Atmosphäre eines Wiener Cafés. Und es ist der Ort, an dem sie sich auch an die schönen Momente ihrer Kindheit und Jugend in Österreich zurückerinnern. Ich konnte das, nachdem ich weiß, welches Leid diese Menschen erleben mussten, was ihnen angetan wurde, gar nicht wirklich greifen und mir vorstellen, dass das so sein kann, bis dann einige dieser Überlebenden mich angesprochen haben und mir gesagt haben: „Mein größter Wunsch wäre nicht nur regelmäßig in diesem Kaffeehaus zusammenzukommen, sondern auch einmal wieder nach Österreich zu kommen.“ Ich gebe zu, für mich war das damals schwer greifbar, auch nicht zu 100 Prozent nachvollziehbar, wie man in ein Land zurückkehren möchte, mit dem man sehr viel Negatives verbindet. Das einem vielleicht die Eltern, die Geschwister und die Familie geraubt hat. Aber es haben mir einige sehr deutlich gemacht, dass sie mit Österreich nicht nur diese Erinnerungen haben, sondern auch ganz positive Momente und Erlebnisse verbinden. Einige dieser Überlebenden haben mir gesagt, als wir als Bundesregierung dann versucht haben diese Reise zu organisieren, dass wir ihnen damit einen Herzenswunsch erfüllen. Ich möchte Ihnen aber heute sagen, sie erfüllen uns durch ihr Kommen genauso einen Herzenswunsch und ich darf mich im Namen der österreichischen Bundesregierung bei Ihnen ganz, ganz herzlich bedanken, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Ich kann Ihnen versichern, dass Österreich heute ein anderes Land ist, dass Österreich sich seiner historischen Verantwortung bewusst ist und dass wir alle als Bundesregierung, als Republik, als politisch Verantwortliche wissen, dass wir die Pflicht zum Gedenken haben, aber dass wir gleichzeitig auch die Pflicht haben, in Gegenwart und Zukunft zu handeln.“ – Sebastian Kurz

Eindrücke der Begegnungen beim Gedenkakt: https://bit.ly/2DAJFOm

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In seiner Rede betonte er auch mit Nachdruck, dass sich Österreich seiner historische Verantwortung bewusst ist, sich untentwegt für die Sicherheit des jüdischen Lebens und auch für den Kampf gegen Antisemitismus einsetzen wird. Nur wenn Jüdinnen und Juden in Israel, in Europa und darüber hinaus in Friede leben können, dann ist die Republik Österreich dieser historischen Verantwortung gerecht geworden. Die ganze Rede beim Gedenktakt:

Ein nachhaltiges Zeichen der Erinnerung.

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Über 20 Jahre lang hat sich Holocaust-Überlebender Kurt Tutter dafür eingesetzt, dass auch in Wien eine Namensmauer zum Gedenken an die 66.000 in der Shoah ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden errichtet wird. Jetzt konnte endlich mit der Umsetzung des Projektes im Ostarrichipark in Wien begonnen werden – dank der Unterstützung der Regierung – die rund 4,5 Millionen für das Projekt investiert - der Stadt Wien und vielen Privaten.

„Das Ziel des Gedenkjahres ist es, nicht nur bei Veranstaltungen wie dieser sich zurückzuerinnern, sondern auch ein nachhaltiges Zeichen der Erinnerung zu schaffen. Vielen Dank an Kurt Tutter für die Idee der Namensmauer und für die Hartnäckigkeit, dass er sich trotz Verzögerungen nicht entmutigen hat lassen und letztendlich geschafft hat, dass das Projekt umgesetzt wird.“ – Sebastian Kurz

Mehr zum Gedenkakt und der Namensmauer findest du im Kurier und der Krone.

Mehr zum Gedenkjahr 2018 findest du hier.